Manchmal gehen die Emotionen hoch, wenn es um Pferde und das Reiten geht. Und manchmal gibt es auch Streit. 

Inzwischen ist der Streit glücklich beigelegt!

Der Reiterhof Toll ist seit vielen Jahren in Münklingen ansässig. In früheren Zeiten kam es gelegentlich zu Flurschäden durch undisziplinierte Reiter. Dadurch hat der Reiterhof  die umliegenden Gemeinden gegen sich aufgebracht. Diese haben zunehmend mit Reitverboten reagiert. Eine Erhebung im Sommer 1995 hat ergeben, daß zu diesem Zeitpunkt 50 Reitverbotschilder im Umkreis von drei Kilometern um den Reiterhof aufgestellt waren. Dies obwohl in Baden-Württemberg das Reiten in der freien Natur grundsätzlich erlaubt ist und nur in begründeten Ausnahmefällen verboten werden kann.

Toll hat gegen einige dieser Schilder geklagt. Die Angelegenheit war beim Verwaltungsgericht Karlsruhe anhängig. Das Gericht hat die Parteien aufgefordert, sich in einem Vergleich zu einigen, was von einigen der umliegenden Gemeinden abgelehnt wurde. Toll hat im Februar 1996 ein Nutzungskonzept für die Reitwege rund um den Reiterhof vorgelegt. Es sollte als Verhandlungsgrundlage für den Vergleich dienen. Die Presse hat darüber berichtet und bei dieser Gelegenheit die alten Vorwürfe gegen den Reiterhof wiederholt.

Wir freuen uns, dass dieser Streit inzwischen beigelegt ist: In der mündlichen Verhandlung vom 6. Mai 1999 hat Toll auf ganzer Linie gewonnen. Die beklagten Reitverbotsschilder sind rechtswidrig aufgestellt worden und müssen entfernt werden.

Tatsächlich hat sich das Verhalten der Reiter schon seit langem geändert und der Reiterhof tut alles, um von seinem ungerechtfertigten schlechten Ansehen wegzukommen. Er wird dabei vom Natur- und Pferdefreundeverein Münklingen e.V. unterstützt. Der Verein hat sich in seiner Satzung "die Förderung des Reitens in der freien Landschaft zur Erholung im Rahmen des Breitensports und die Unterstützung aller Bemühungen zur Pflege der Landschaft und zur Verhütung von Schäden" zum Ziel gesetzt.

Die Gesamtproblematik ist nicht spezifisch für den Reiterhof Toll. Der Konflikt zwischen Reitern und anderen Nutzern der Natur wird an vielen Orten ausgetragen. Er kann nur gelöst werden, wenn sich alle Beteiligten um einen verständnisvollen Interessenausgleich bemühen. Die Berichterstattung in den Medien spielt dabei eine wichtige Rolle, weil die Diskussion immer noch von alten Vorurteilen und Emotionen geprägt ist.

Das Konzept wurde von Wolfram Toll zusammen mit den Natur- und Pferdefreunden erarbeitet und am 8.2.96 vorgelegt. Es soll als Grundlage für den vom Verwaltungsgericht angeregten Vergleich mit den Landkreisen Enz, Calw und Böblingen dienen. Toll unternimmt damit den Versuch, einen sinnvollen Ausgleich zwischen allen Interessen zu finden und die jahrelangen Streitigkeiten um die Reitverbote zu beenden.

Das Konzept befaßt sich mit dem regelmäßigen Mietreitbetrieb des Reiterhofs und legt dazu u. a. ein detailliertes Wegenetz für alle Nutzungstypen Ponyführen, Ausritte und Touren fest. Der Geltungsbereich beschränkt sich auf das Gebiet der zum Konzept gehörigen Landkarte, ein Rechteck von 9,4km mal 8,4km mit Münklingen in der Mitte.

Am kritischsten sind die ein und zwei bis zweieinhalb Stunden dauernden Ausritte, weil sie am häufigsten stattfinden und wegen der kurzen Dauer immer dieselben Wege rund um den Reiterhof benützen müssen. Länger dauernde Touren finden weniger häufig statt und brauchen lediglich Anbindungen an das Wegenetz außerhalb des Geltungsbereichs. Ponyführen ist unkritisch, weil es die Wege nicht belastet und nur sehr kurze Wege rund um den Reiterhof braucht.

Ausritte und Touren werden immer von einem erfahrenen Vorreiter des Betriebs angeführt. Diese kennen genau die erlaubten Wege. Unbeaufsichtigte Ritte finden im Mietreitbetrieb nicht statt. Beim Ponyführen werden die Begleitpersonen in die Lage und Benutzung der Wege eingewiesen.

Es wurde auf eine gleichmäßige Nutzung aller Gemarkungen geachtet und mehr Wege als absolut notwendig ausgewiesen, um einzelne Wege nicht über Gebühr zu belasten.

Der Naturschutz wurde berücksichtigt, indem keine Naturschutzgebiete passiert werden, nach Möglichkeit befestigte Wege ausgesucht wurden und bei unbefestigten Wegen solche, die durch Holzabfuhr sowieso schon schwer geschädigt sind.
Wanderwege wurden vermieden oder nur dann ausgesucht, wenn sie mehr als drei Meter breit sind. Auf Wanderwegen wird nur Schritt geritten.

Zur Sicherheit und Gesundheit von Roß und Reiter wurden asphaltierte Wege, Autostraßen und Ortschaften nach Möglichkeit vermieden.

Das Konzept weist darauf hin, daß es in der Gegend noch viele andere Reiter gibt. Ein Bestand von 426 Pferden - außer den Tollíschen - wird aufgeführt. In deren Interesse wird kein offizielles Reitwegenetz vorgeschlagen, wie es in Ballungsgebieten üblich ist. Das würde nämlich dazu führen, daß das Reiten außerhalb dieses Netzes für alle verboten wäre. Statt dessen soll das vorgeschlagene Wegenetz ausschließlich für den Mietreitbetrieb des Reiterhofs Toll verbindlich sein.

Der Reiterhof wird beschrieben. Lediglich 25 Pferde gehen im Mietreitbetrieb auf Ausritte. Diese Zahl ist seit Jahren gleichbleibend.

Toll bietet eine Eigenbeteiligung beim Unterhalt der am meisten belasteten Wege in unmittelbarer Nähe des Reiterhofs an. Der Natur- und Pferdefreundeverein Münklingen unterstützt ihn dabei.

Den größten Teil des Konzepts nimmt die detaillierte Beschreibung der Wege anhand der zugehörigen Landkarte ein. Ponyführen und Ausritte finden ausschließlich auf diesen Wegen statt. Touren benutzen ebenfalls diese Wege und zusätzliche andere als Anbindung. Letztere sind in der Landkarte gestrichelt eingezeichnet, im Text aber nicht einzeln beschrieben. Sie werden nur selten im Abstand von zwei, drei oder mehr Wochen entsprechend der Wetterlage benützt und sind daher unkritisch.

Für die Umsetzung des Konzepts wird vorgeschlagen, es in Verhandlungen vollends auszuarbeiten, und die endgültige Regelung dann gerichtlich protokollieren zu lassen. Danach werden die betroffenen Reitverbote entfernt, und die Öffentlichkeit wird informiert. Die Vorreiter werden entsprechend geschult und auf das Wegenetz verpflichtet. Schließlich erbringt Toll die ausgehandelte Eigenleistung zum Unterhalt der Wege.

Sollte es zu vermeintlichen oder tatsächlichen Verstößen gegen das Konzept kommen, müssen diese unverzüglich an Toll gemeldet werden, damit entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden können. Bereits heute sind alle Pferde mit Nummern gekennzeichnet, und über jeden Ausritt wird genau Buch geführt.