Was denken wir uns so, wenn es um Pferde geht?


Pferdehaltung und Landschaftsschutz

Die Chance für die Landwirtschaft durch Umstellung auf Pferdehaltung ist auch eine Chance für den Landschaftsschutz, denn die schonende Bewirtschaftung des Grünlands ist eines seiner Anliegen. Pferdehaltung ermöglicht die extensive Nutzung von Wiesen, wie später Schnitt und weniger Düngung. Selbst die bei uns geschützten Streuobstwiesen können durch Pferdehaltung sinnvoll genutzt werden.

Die menschlichen und gesellschaftlichen Werte des Natursports

Sport in der Natur ist die intensivste Form der Erholung vom beruflichen Streß und der Eintönigkeit des Alltages. Zu einer Zeit, in der die Medien voll sind von Aggressivität, Alkohol- und Drogenmißbrauch, ist der Sport wertvoll wie noch nie. Einprägsame Erlebnisse, wie sie besonders der Sport in der Natur bietet, sind ein wirksames und lebenslanges Gegenmittel für alle Gefährdeten. Sport in der Natur fördert den Zusammenhalt der Familie. Er vermittelt Eltern und Kindern gemeinsamen Gesprächsstoff - ein segensreiches Mittel gegen die Entfremdung der Generationen.

Das Pferd und seine Umwelt

Was hat Pferdehaltung mit Reiten zu tun? Auf den ersten Blick vielleicht nicht viel. Weil die Haltung aber einen wichtigen Einfluss auf die Gesundheit hat, wirkt sie sich direkt auf die Leistungsfähigkeit eines Pferdes aus. Nur ein gesundes Pferd kann körperliche Höchstleistungen vollbringen. Dazu kommen noch die psychischen Faktoren. Ein Pferd, das so artgerecht wie möglich gehalten wird, ist ausgeglichener und zufriedener und so eher bereit, seine Aufgaben zu erfüllen. Wer die Grundbedürfnisse seines Pferdes nicht kennt, wird es nie verstehen können und somit auch nie ein wirklicher Reiter werden.

Sport und Natur

Der Naturschutz hat sich bei uns in der Gesellschaft, im Staatswesen und in den Medien einen hohen Stellenwert erworben. Es liegt auch in unserem Interesse, daß die Natur, in der wir unsere Freizeit verbringen, intakt bleibt. Sonst würde auch der Sport seinen Wert verlieren. Leider gibt es von einzelnen Organisationen falsche Fronten gegen Reiter. Naturschutz und Sport sind aber keine alternativ-radikalen, unversöhnliche Gegensätze, sondern sich ergänzende, unverzichtbare gesellschaftspolitische Ziele, unverzichtbar auch für ein sinnvolles menschliches Leben. Radikale "Entweder-Oder"-Positionen sind hier genauso verfehlt wie in anderen menschlichen Bereichen.

Reiter sind Natursportler

Natursportler brauchen die Natur wie der Turner die Halle und der Fußballspieler den Platz. Er will keine "Duldung", sondern er hat ein Recht auf Sportausübung, wie jeder andere Bürger auch. Und genauso, wie der Naturschutz nicht in Totalverbote verfallen soll, darf der Sportler nicht rücksichtslos mit der Natur umgehen. Die naturschonende Ausübung wird deshalb von Freizeitreitern großgeschrieben. In der Summe wird dieser Weg sich für die Natur positiver auswirken als die Aussperrung. Naturschutz aus Überzeugung ist besser und wirksamer als Zwangsmaßnahmen und Verbote, die in der Praxis ohnehin kaum durchgesetzt werden können.

Anspruchvolles Freizeitreiten

Freizeitreiten gewinnt immer mehr an Beachtung. Und langsam wird auch die Bedeutung des Freizeitreitens erkannt. Worte wie "pferdegerechtes Reiten" oder "artgerechte Pferdehaltung" sind nicht mehr nur bloße Worte, sondern immer mehr Reiter erkennen deren Bedeutung. Und genau in dieser Erkenntnis liegt die Zukunft des Pferdesports. Man hat erkannt, daß Freizeitreiten nicht bloßes Umherstreifen im Gelände bedeutet. Man ist bemüht, sein Pferd so pferdegerecht wie möglich zu reiten, es artgerecht zu halten. Man toleriert andere Reitweisen, lernt von ihnen und probiert sie aus, bemüht sich, sein Pferd besser zu verstehen und ist ständig bereit, Neues aufzunehmen und davon zu profitieren. So sieht der heutige Freizeitreiter aus, und nur durch dieses Verhalten bietet sich ihm auch eine Zukunft.

Das Pferd als positiver Umweltfaktor

Pferdehaltung und disziplinierter Reitsport sind als positive Umweltfaktoren einzustufen. Das Pferd gehört in die deutsche Kulturlandschaft. Die durch Pferde genutzte Futterfläche wird der landwirtschaftlichen Intensivnutzung entzogen. Pferdefütterung basiert in großem Umfang auf Hafer. 500.000 Pferde garantieren eine sinnvolle Verwertung des geernteten Hafers. Der späte Schnitt des Grases für die Heuernte ermöglicht Bodenbrütern das ungestörte Aufziehen des ersten Geleges und wirkt sich ebenso positiv auf die Entwicklung von Insekten aus. Rückgang von Haubenlerche und Goldammer hängen damit zusammen, daß sich der Pferdebestand in den letzten Jahrzehnten drastisch verringert hat. Diese Vogelarten waren als Kulturfolger speziell auf die Pferdehaltung spezialisiert.

Mensch und Pferd

Der Beginn der Domestikation des Pferdes war ca. 5000 v.C. Das Pferd wurde als ein besonderes Opfertier gehalten. Das Pferd als Transporttier war um 3000 v.C. der nächste Schritt. Die machtpolitische, sowie gesellschaftliche Wichtigkeit des Pferdes wurde vor dem Streitwagen erkannt. "Keine Waffe ist so weltverwandelnd geworden wie der Streitwagen. Er bildet den Schlüssel zur Weltgeschichte des 2.Jt.v.C.". Der Streitwagenkrieger wurde um 800 v.C. durch den Reiterkrieger abgelöst. Der Kriegserfolg hing entscheidend ab von dem Einsatz der Pferde. Das Pferd war aber für den Menschen nicht nur ein "Hilfsmittel", wie unter anderem an der Mitbestattung des Pferdes bei Persönlichkeiten zu erkennen ist. Nach der Erfindung von Dampfmaschine und Motor entsprach die Nutzung des Pferdes nicht mehr dem technischen Niveau. Auch in der Landwirtschaft verlief die Technisierung in den 50er Jahren überraschend schnell. Hier verringerte sich alleine die rhein. Kaltblutzucht von 27.000 Pferden i.J. 1947 auf ganze 48 Pferde i.J. 1967. Die jahrtausende alte Beziehung zwischen Mensch und Pferd wurde in nicht einmal 50 Jahren beinahe ausgelöscht. Es liegt nahe, das Anwachsen der Freizeitreiter als eine Reaktion auf unser versachlichtes, technisches Zeitalter zu sehen.

Pferde sind Herdentiere

Freilebende Pferde sind in einem festen Familienverband organisiert. Die Jungtiere werden von den Leitpferden "erzogen". Der Herdenchef fordert gezielte Bewegungen zur Erhaltung von Kondition und Beweglichkeit. Denn nur eine trainierte Herde kann vor dem Feind bestehen. Unter diesen Aspekten ist das Pferd mit seinen Knochen, Muskeln, Bändern und Sehnen ausgerichtet. Sozialkontakte und Spiel sorgen für die psychische Gesundheit. Die Leistungsfähigkeit und Gesundheit des Haustieres Pferd hängt von den Kenntnissen über die arteigenen Bedürfnisse ab. Wir müssen nicht nur für Unterhalt, sondern auch für Unterhaltung, ausreichende Bewegung und Sozialkontakt sorgen.

Dorf und Pferd

Unsere Gemeinde Münklingen ist geprägt von kleinen bäuerlichen Anwesen. Die auf landwirtschaftliche Bedürfnisse ausgelegte Struktur des ursprünglichen Ortskerns ist heute noch an den alten Höfen und Scheunen zu erkennen. Wir wollen einer Entwicklung Münklingens zu einer reinen Wohngemeinde entgegenwirken. Zu Garagen oder zu Wohnzwecken umgewandelte Scheunen oder Dorfbrunnen "nur zum Anschauen", können nicht als sinnvolle Dorfentwicklung angesehen werden. Die Dorfgemeinschaft lebt vom traditionellen Miteinander, indem sich nicht nur Menschen, sondern auch Mensch und Tier begegnen. Einen wichtigen Beitrag hierzu sehen wir in unserer Pferdehaltung.

Pferdegerechtes Reiten

Pferde sind zum Laufen geschaffen. Der geringe Energieverbrauch und die Ökonomie ihrer Bewegungen erlaubt bemerkenswerte Ausdauer. Mit ihrem Gewicht von ca. 1/2 t sind sie die weitaus schwersten unter allen schnellaufenden Tieren. Die Ökonomie der Gangarten, d. h. die Ausdauer geht auf die Nutzung von physikalischen Gesetzmäßigkeiten zurück. Der Schritt und Trab beruht auf den Pendelgesetzen. Außerdem werden im Trab die elastischen Eigenschaften der Sehnen in einem Federmechanismus genützt.

Wie kommt es dann aber zu den sogenannten Zivilisationskrankheiten des Bewegungsapparates, wie Arthrose, Hufrollenentzündung, Sehnenschäden? Haltungsbedingungen, bei denen Pferde 23 Stunden am Tag stehen, um dann eine Stunde Leistung zu bringen, sind artwidrig und gesundheitsschädlich.

Im Alter von drei Jahren ist ein Pferd ausgewachsen. Muskeln, Bänder, Sehnen und die Stabilität der Knochen sind aber noch in Entwicklung. Durch ein gezieltes, individuelles Aufbautraining muß das Jungpferd auf das Reiten vorbereitet werden. Muskeln, Bänder, Gelenke und Sehnen benötigen eine entsprechende Aufwärmphase. D.h., wenn dem Pferd die Möglichkeit der ständigen Bewegung, regelmäßiges Training - auch mit Belastungsspitzen - gegeben wird, ist eine Überforderung und damit Schädigung des Pferdes nicht zu befürchten.

Der Offenstall

Der Offenstall ist für den Freizeitreiter die wohl geeignetste Form der Pferdehaltung. Die Pferde können selbst entscheiden, wo sie sich aufhalten wollen, haben Licht, Bewegung, Luft und sozialen Kontakt und werden mit der Umwelt konfrontiert. Ist es dem Besitzer einmal nicht möglich zu reiten, hat das Pferd trotzdem Bewegung und muß nicht den ganzen Tag gelangweilt in der Box verbringen.

Aussenbox

In der Aussenbox hat das Pferd viel Licht, Luft und Kontakt mit der Umwelt. Stallklimaprobleme werden dadurch meist aus der Welt geschafft. Ideal ist es, wenn sich an die Box ein Paddock anschließt, in den das Pferd stundenweise entlassen werden kann.

Der Laufstall

Der Laufstall ist eine auf Gestüten sehr verbreitete Form der Haltung von Jungpferden und Zuchtstuten. Wie bei der Aussenboxhaltung mit Paddock ist auch hier Bewegungsfreiheit möglich.

Gedanken zur Pferdehaltung

Woher kommt eigentlich die so weitverbreitete Meinung, Pferde müssten in einer Box gehalten werden? Sicher, es gibt völlig gegensätzliche Meinungen, wenn es um das Thema Boxenhaltung geht. Die einen halten ihre Pferde ein Leben lang auf diese Weise, die anderen lehnen es brüsk ab. Doch wie soll man denn nun zur Boxenhaltung stehen und was gibt es sonst noch für Alternativen? .....

Kind und Pferd

Jeder von uns kann sich mit Bestimmtheit an Kindheitsträume erinnern, in denen Tiere im Mittelpunkt standen. Der Wunsch, einen Teil der Freizeit mit einem geliebten vierbeinigen Freund zu verbringen, ist in der Entwicklung eines jeden Kindes zu beobachten. Neben Hund und Katze steht dabei das Pferd in der Beliebtheitsskala ganz oben, vielleicht auch deshalb, weil das Pferd in unserer heutigen Gesellschaft an den Rand gedrängt worden ist.

Aber immer noch ist der Umgang mit Pferden für Kinder und Jugendliche etwas faszinierendes. Spielerisch lernen sie Verantwortung zu übernehmen, und dabei sogar noch Spaß und Freude zu erleben. Durch die Pflege eines Pferdes wird die Sensibilität für die Bedürfnisse des Tieres gefördert und Eigeniniative gefordert. Das Gemeinschaftserlebnis mit Gleichgesinnten beeinflußt das gesamte Sozialverhalten positiv, auch außerhalb des Reitstalls.

Durch Reiten in der freien Natur lernt der heranwachsende Mensch, Zusammenhänge des Naturschutzes zu erkennen, sowie die jahreszeitlich bedingten Abläufe bewußter wahrzunehmen. Er lernt, Belange der Landwirtschaft zu sehen und zu verstehen.

Beim Reiten werden sensorische und motorische Fähigkeiten geschult und gefördert. Der jugendliche Reiter lernt früh, auf spontane Aktionen des Pferdes einzugehen, seine eigenen Reaktionen spontan zu koordinieren und zu steuern, sowie seinen gesamten Bewegungsapparat zu schulen und zu beherrschen. Das Reiten und der Umgang mit Pferden wirkt sich bei Kindern positiv auf ihre psychosoziale, körperliche und emotionale Entwicklung aus.

 

Eine Pferdegeschichte

"Es war ein adliger Caballero und hatte sich Zeit seines Lebens mit Pferden beschäftigt. Man sagte ihm nach, daß er nicht nur ein sehr würdiger, bescheidener Mensch sei - jedermann, der ihn reiten sah, war begeistert von diesem Bild und zutiefst beeindruckt von seiner Reitkunst.
Als er schließlich im Alter von 96 Jahren auf dem Sterbebett lag, bat er seinen Neffen zu sich, um sich von ihm zu verabschieden. Und so geschah es. Als sich der Neffe dann schließlich abwenden und das Zimmer verlassen wollte, sah er zum erstenmal Tränen im Gesicht des Alten. Noch einmal ergriff dieser die Hand des jungen Mannes und sagte leise: "Es ist schon ein Pech, daß ich gerade jetzt sterben muß." "Warum?" fragte ihn der Neffe, zärtlich die Hand des Alten streichelnd. "Für jeden Menschen kommt einmal die Zeit - und Dein Leben war lang, glücklich und reich!" "Ja", sagte jetzt der Alte. "Du hast schon recht, aber es war doch erst vor ungefähr einer Woche, als ich zum erstenmal begriffen hatte, was es heißt, ein Pferd wirklich zu reiten!"
Klaus Ferdinand Hempfling